Vorstellungstext

Zu mir
Ich bin Asya Şenyüz, 22 Jahre alt, gebürtige und verwurzelte Schönebergerin aus dem Bayerischen Viertel. Als Tochter einer türkisch-kurdischen Familie habe ich früh erlebt, was unseren Kiez ausmacht: Solidarität und Zusammenhalt, aber auch Ausgrenzung und Ungleichheit. Diese Erfahrungen prägen meinen politischen Veränderungswillen. Als gelernte Bürokauffrau weiß ich, dass gute Bildung, sichere Arbeit und faire Löhne keine Selbstverständlichkeiten sind. Deshalb setze ich mich für bezahlbares Wohnen, eine funktionierende, da vergesellschaftete Infrastruktur und für die Umverteilung von Macht- und Eigentumsverhältnissen ein. Ich werde insbesondere dafür kämpfen, dass Auszubildende eine gute Lehre bekommen, gerecht vergütet werden und nach ihrem Abschluss übernommen werden. Ich kandidiere, damit Schöneberg unser Zuhause bleibt.

Nie wieder Krieg
„So lange das Kapital herrscht, werden Rüstung und Krieg nicht aufhören!“ schrieb Rosa Luxemburg schon 1913. Daran hat sich nichts geändert. Trotzdem soll die Jugend wieder an der Waffe ausgebildet werden Armut ist Mittel der Militarisierung.
Wer sich im Rahmen des neuen Wehrdiensts für zwölf Monate verpflichtet, bekommt ein Einstiegsgehalt von 2.600 Euro im Monat. Das ist weit mehr als bei Ausbildungen üblich. Ich werde für eine Jugend kämpfen, die nicht die Fehler einer Politik ausbaden muss, die seit Jahren an ihr spart. Statt immer mehr Geld in Militär oder in eine diskriminierende Polizei zu pumpen, braucht es eine Umverteilung für Bildung, Gesundheit und Soziales. Forschung und Lehre müssen unabhängig bleiben.
Jugendoffizierinnen haben an Schulen nichts verloren.

Kluge Bildung
Vor einem Vierteljahrhundert rüttelte die erste PISA-Studie die Republik wach: „Unterdurchschnittliche Leistungen? Im Land der Dichter und Denker?“ Die Gründe: ein gescheitertes Bildungssystem, zu wenig Personal, schlechte Ausstattung der Schulen und die Abhängigkeit des Lernerfolgs vom Elternhaus. Schulen sollten Orte echter Emanzipation sein, an denen junge Menschen nicht von der Logik reiner Profitmaximierung und Konkurrenz bestimmt werden, sondern ihren Schulalltag selbstbestimmt mitgestalten können. Bildung muss uns befähigen, Gesellschaft kritisch zu verstehen und zu demokratisieren. Auch in der Schule gilt für uns: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen. Ich setze mich für Gemeinschaftsschulen ein, an denen ohne Druck, Hausaufgaben und Noten gemeinsam gelernt wird.

Stadt für uns
In nur zehn Jahren haben sich die Mieten in Berlin verdoppelt. Vermieterinnen verdienen sich auf dem Rücken der Stadtgesellschaft dumm und dämlich. Derweil frisst Inflation die Lohnzuwächse auf. Ich frage mich: Was bringen NFL-Spiele oder eine Olympia- Bewerbung, wenn wir uns weder die Tickets dafür, noch unser Leben leisten können. Das Resultat: Unsere Nachbarinnen werden zunehmend ärmer oder verdrängt. Schluss damit! Die Lebenshaltungskosten müssen gesenkt werden, indem unter anderem gierige Immobilienkonzerne enteignet, die Lebensmittelpreise reguliert sowie Bus und Bahn ausgebaut und kostenlos gemacht werden. Unsere Wirtschaft muss demokratisiert werden, damit wir mitentscheiden können, was, wie viel und unter welchen Bedingungen produziert wird. Gemeinsam können wir unseren Kiez gerechter machen.

Grundsätzliches zum Parlament
Das aktuelle parlamentarische System hat große demokratische Schwächen, die nur durch eine andere wirtschaftliche Ordnung überwunden werden können. Ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung besitzt einen Großteil des Vermögens. Dieser Teil profitiert von der gegebenen Steuerpolitik, vom Erbschafts- oder Mietrecht. Diese Gesetze sind so gestaltet, dass die Reichen immer reicher werden, während wir immer mehr Geld für Miete und Einkauf ausgeben müssen. Das Vermögen wird für Lobbyismus und Korruption mobilisiert. Die Klasse der Reichen profitiert durch ihre Handlager im Parlament und umgekehrt. Durch ihre Lobbyarbeit und die Spielregeln der Politik sichern die Reichen ihre Macht ab. Der Weg von der Wirtschaft in die Politik und andersherum ist Mittel des Klassenkampfs der Reichen gegen die lohnarbeitende Bevölkerung. Zentrales Problem in der kapitalistischen- parlamentarischen Demokratie ist, dass Parlamentarierinnen sich immer weiter von den Interessen der Bevölkerung entfernen und ihre Versprechen brechen. Entscheidungsträgerinnen sind gegenüber der Bevölkerung keine wirkliche Rechenschaft schuldig. Der Berliner Senat kann weitgehend losgelöst vom Abgeordnetenhaus agieren, Lobbyismus und Korruption tun ihr übriges. Ich möchte einen neuen Politikstil prägen, der mit dem alten Verhältnis zwischen Parlamentarierinnen und Wählenden bricht.

Ich werde im Parlament die Widersprüche des Systems offenzulegen und für die Interessen der unterdrückten Klassen und den Systemwandel kämpfen.
Wir müssen gemeinsam so viel gesellschaftlichen und politischen Druck erzeugen, dass die Regierenden die Politik umsetzen, die wir wollen, um damit Verbesserungen in der Gegenwart herbeizuführen und langfristig den Sozialismus zu verwirklichen