Keine Beteiligung an der Aufrüstung – Konsequenzen aus dem Bremer Senatsbeschluss ziehen!


Die Linksjugend Solid Berlin lehnt den Deployment Hub in Bremerhaven ab und
 kritisiert die linke Senatorin Kristina Vogt für die Zustimmung zum Deployment Hub
 und das gemeinsame Auftreten dazu mit Boris Pistorius. Kristina Vogt handelte
 entgegen eines Beschlusses vom Bremer Landesparteitag. „Das im Bund bereitgestellte
 Geld müsse statt für die »Aufrüstung eines Kriegskorridors« für den sozialen
 Fortschritt, die öffentliche Daseinsvorsorge sowie für den »Energy Port« (den Ausbau
 für Offshorewindenergie) in Bremerhaven genutzt werden. Die Parteispitze setzte den
 Antrag aber politisch nicht um. Im Gegenteil: Im September beschloss der Bremer Senat
 mit Zustimmung der beiden Linke-Senatorinnen – außer Vogt ist das
 Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard – offiziell den militärischen Ausbau von Hafen
 und Flughafen.“ (www.jungewelt.de/artikel/530720.militarisierung-am-hafen-pistorius-
 verteilt-die-milliarden.html) Der Deployment Hub ist ein Einsatzdrehkreuz. Dort
 sollen militärische Güter der NATO verladen werden. Dort wird die logistische
 Grundlage für die deutsche Unterstützung von imperialistischen Kriegen und den damit
 verbundenen Kriegsverbrechen gelegt. Damit wird Bremerhaven auch ein mögliches
 Angriffsziel anderer imperialistischer Staaten. Zeitgleich ist die Militarisierung
 eine der größten Verursacher für die Umweltzerstörtung. Sowohl die Nutzung als auch
 die Logistik von Waffen und Panzern verbrauchen unfassbare Mengen an klimaschädlichen
 Ausstößen. Dabei sorgen Krieg und Waffen nicht für Sicherheit und Frieden.
 Stattdessen werden damit die wirtschaftlichen Interessen der Reichen durchgeboxt, die
 auf Kriege angewiesen sind, um Einflusszonen und Absatzmärkte sowie geopolitische
 Macht auszuweiten. Für uns und alle Lohnabhängigen bedeutet das Sozial- und
 Demokratieabbau verbunden mit einer Verschlechterung von Bildung, Sozialem und
 Gesundheitsversorgung. 
 Die immer wieder auftretenden multiplen Krisen des Kapitalismus lassen sich damit
 nicht lösen. Die Ursachen für schlechte Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen, teure
 Lebenshaltungskosten und die Zerstörung der Umwelt lassen sich in der gegenwärtigen
 Wirtschaftsordnung nicht lösen. Nur eine Demokratisierung der Wirtschaft und
 Eigentumsverhältnisse kann die Krisen lösen. 
 
 Dass wichtige zivile Infrastruktur an militärische Aufrüstung gekoppelt ist, soll
 Kritik und Protest verunmöglichen und Kriegsgegner*innen in eine Zwickmühle bringen.
 Diese Erpressung, um militärische und wirtschaftliche Interessen durchzusetzen,
 lehnen wir ab. Die Linke muss darauf aufmerksam machen, dass das eine Lüge ist. Auf
 die versprochene zivile Unterstützung im Rahmen des Sondervermögens für die
 Aufrüstung wartet das Bundesland Bremen bis heute. Die Linke macht sich unglaubwürdig
 und lächerlich, wenn sie sich auf eine solche Vereinbarung einlassen und über den
 Tisch ziehen lassen. Geld, das in Aufrüstung fließt, fehlt im kapitalistischen System
 immer bei Bildung, Sozialem und Gesundheit und weiterer Infrastruktur. 
 
 Die Linksjugend Solid Berlin hat nach der Zustimmung zu den Aufrüstungsplänen der
 Bundesländer mit linker Regierungsverantwortung den Rücktritt der Senator*innen
 gefordert. Die Bundestagsfraktion hat damals richtigerweise und entsprechend dem
 Parteiprogramm die Pläne abgelehnt. 
 Getragen von der gesamten Delegation der Linksjugend Solid wurde ein Rücktrittsantrag
 auf dem folgenden Bundesparteitag der Linkem eingebracht. Ines Schwerdtner hielt eine
 Gegenrede, stimmte uns inhaltlich aber zu und versprach, dass ein solcher
 Beschlussbruch nicht mehr vorkommen würde und Mechanismen entwickelt werden, die ein
 solch parteischädigendes Verhalten verhindern. Nun konnte nicht mal ein
 Landesparteitagsbeschluss die Politik der eigenen Senatorin beeinflussen.
 Das bestätigt uns einmal mehr, dass linke und sozialistische Politik im Interesse der
 Menschen in einer Regierung nicht möglich ist.

Jetzt erst recht: Klassenkampf!Lehren aus den Landtagswahlen

Jetzt erst recht: Klassenkampf!Lehren aus den Landtagswahlen
 
 Die AfD ist in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt stärkste Kraft geworden.
 Wirklich überraschen konnte das aber keinen, denn diese Entwicklung zeichnet sich
 schon lange ab. Die Parteien des Establishments erzielten denkbar schlechte
 Ergebnisse, einige mussten im Vorfeld um ihren Einzug in den Landtag bangen.
 Doch auch in Mecklenburg-Vorpommern und hier in Berlin erzielte die AfD hohe
 Prozente, auch unter Jugendlichen.
 
 Niemand mag die Merz-Regierung
 Diese Wahlergebnisse sind Ausdruck davon, dass ein bedeutender Teil der Bevölkerung
 der Merz-Klingbeil-Regierung angesichts ihres aktuellen Kurses des Sozialkahlschlags
 und den Angriffen auf Arbeiter*innenrechte “eins auswischen” wollten.
 Für viele scheint die Wahl der AfD ein Weg zu sein, um nach Jahrzehnten von
 Kürzungspolitik (und massiver Deindustrialisierung im Osten) ihren Wunsch
 auszudrücken, dass sich etwas Grundlegendes ändern soll.
 Uns ist völlig klar: Es wird keinerlei Veränderung zum Guten von der AfD umgesetzt
 werden. Denn sie, mit Ihrer Politik für Reiche und Kapitalist*innen, ist  alles
 andere als eine Partei, die im Sinne von Arbeiter*innen und Jugendlichen handelt.
 Nichtsdestotrotz ist der Anteil der Menschen, der die AfD aus Überzeugung wählen,
 weil sie sich einen autoritären Staat oder noch mehr rassistische Abschiebepolitik
 wünschen, gestiegen.
 Nicht zuletzt wird auch die Normalisierung der rassistischen AfD-Hetze durch
 Übernahme von Positionen durch die pro-kapitalistischen Parteien den Anteil an
 (vermeintlich) überzeugten AfD-Wähler*innen erhöht haben, da ihre Position dadurch
 nur bestärkt wurde. Umso heuchlerischer ist es von eben diesen Parteien, nun entsetzt
 über den Sieg der AfD zu sein.
 Trotzdem wäre es falsch, bei der Analyse der Wählerschaft, nicht vor allem die
 soziale Komponente zu betrachten. Und so ist es auch für Die Linke wichtig, die
 Illusion, die AfD würde auf Seite dieser Menschen stehen, zu brechen.
 
 Krise des Systems
 Der Wahlsieg der AfD ist nicht nur die Wahlniederlage der etablierten Parteien, sie
 ist vor allem auch ein Ausdruck der tiefen Krise des politischen Systems des
 Kapitalismus in der BRD: der parlamentarischen Demokratie. Diese entlarvt sich für
 viele mehr und mehr zu einer Scheindemokratie, in der man alle paar Jahre eine Stimme
 abgibt, dann aber Sozialkürzungen trotz großer Ablehnung durchgesetzt und
 Volksentscheide ignoriert werden.
 Wenn wir also erkennen, dass der Wahlsieg der AfD kein Ausrutscher ist, sondern Teil
 dieses Systems, dann dürfen wir nicht auf die Illusion eines AfD-Verbots als
 „einfache Lösung“ hereinfallen. Und uns auch nicht auf den Staat verlassen, der
 solche Repressionen dann auch gegen uns verwenden würde. Ein Verbot würde die AfD
 lediglich weiter festigen und ihr Narrativ von der Anti-Establishment-Partei stärken.
 Gleichzeitig würde es uns politisch an die Seite von CDU bis Grünen stellen, was uns
 von den Teilen der Arbeiter*innenklasse, die aktuell die AfD wählen, sich aber mit
 entsprechender Mühe von uns noch überzeugen ließen, wiederum isoliert.
 
 Um die Linke kämpfen!
 Dass die prokapitalistischen Parteien von CDU bis Grünen abgestraft werden, ist kein
 Wunder. Sie sind Teil des Establishments, von dem sich abgewandt wird. Nun müssen wir
 aber feststellen: Auch Die Linke erreichte in Sachsen-Anhalt lediglich 8,6 %.
 Für uns ist klar: Die Linke braucht einen Kurswechsel und muss endlich die
 Klassenfrage in den Vordergrund stellen. Sie muss zu einer Partei werden, die
 glaubhaft macht, dass sie eine wirkliche Alternative zu Sozialabbau und Aufrüstung
 ist und sich nicht auf die Zusammenarbeit mit pro-kapitalistischen Parteien einlassen
 wird. So stellen wir uns auch hier in Berlin gegen eine Beteiligung der Linken an
 einer Regierung zusammen mit SPD und Grünen.
 Die letzten Landtagswahlen zeigen, dass die AfD nicht verhindert wird, indem ein
 Wahlkampf unter dem Motto: “alle gegen die AfD” geführt wird.  Das verwischt die
 Grenzen zwischen uns und den sogenannten “demokratischen” Parteien und Die Linke kann
 dabei auf lange Sicht nur verlieren, da sie nicht mehr als die Partei auftritt, die
 sich für tatsächliche Veränderungen im Interesse der Arbeiter*innenklasse einsetzt.
 Deshalb muss Die Linke zu einer Partei werden, die nicht einfach sagt „Heimat ist für
 alle da“, sondern benennt, dass sie die Unterdrückten einzige Partei ist, die
 bedingungslos an der Seite der Lohnabhängigen, Jugend und aller weltweit steht.
 Die Linke muss zu einer Partei werden, die nie wieder den Status quo mitverwaltet
 sondern Arbeiter*innen und Jugendlichen einen Ort gibt, sich zu organisieren und
 gemeinsam für grundlegende Veränderung zu kämpfen. Sie sollte an vorderster Front
 stehen, wenn es darum geht, zusammen mit den Gewerkschaften den Kampf gegen den
 Sozialkahlschlag mit dem gegen die Militarisierung zu verbinden. Wenn solch ein
 breiter Widerstand gegen alle Verschlechterungen gelingt, wird auch die AfD sich vor
 vielen Arbeiter*innen demaskieren und zeigen, auf welcher Seite sie wirklich steht. 
 
 Unsere Rolle
 Selbstverständlich haben auch wir als größter sozialistischer Jugendverband in
 Deutschland eine besondere Rolle im Kampf gegen die AfD, die auch unter Jugendlichen
 erstarkt. Genau wie Die Linke dürfen auch wir der AfD nicht ihren Sozialpopulismus
 überlassen.
 Wir müssen kämpferisch sein: Mobilisierung und Organisierung von Jugendlichen gegen
 alle Angriffe der Bundesregierung gehören zu unseren zentralen Aufgaben. 
 Der Fakt, dass inzwischen große Teile der Arbeiter*innenklasse und Jugend die AfD
 wählen bedeutet jedoch auch, dass umso mehr gilt, dass wir diese Teile nicht
 erreichen werden durch eine reinmoralisch “gegen Rechts” argumentation. Vielmehr muss
 an den direkten Klasseninteressen angesetzt werden und aufgezeigt werden, warum die
 Linke und Linksjugend der beste Ort ist, um für Verbesserungen zu kämpfen.
 Wir werden uns in der Partei weiterhin für einen Kurswechsel der Linken und gegen
 eine Regierungsbeteiligung hier in Berlin stark machen.
 Der LSp*R und die AG Propaganda werden damit beauftragt, anhand dieser Linien bis zur
 nächsten LVV Material zu erstellen oder zu delegieren, welches darauf abzielt,
 Jugendliche von der AfD wegzuholen und bei uns zu organisieren. Dieses sollte auch
 erklären, dass Rassismus, Queerfeindlichkeit, Sexismus und andere Spaltungsformen den
 gemeinsamen Kampf schwächen, weswegen wir auch diese im Hier und Jetzt bekämpfen
 müssen. Doch auch, dass in einer sozialistischen Demokratie die Basis für eine
 tatsächliche Überwindung dieser Spaltung geschaffen wird.
 Es ist unser aller Aufgabe als Aktive in der linksjugend [‘solid] mit diesem Material
 nach außen, auch außerhalb der linken Szene, zu gehen, z.B. mit Infotischen vor
 Schulen, Berufsschulen oder an öffentliche Orten in unserem Kiez, um mit Jugendlichen
 aus allen Schichten ins Gespräch zu kommen. Dabei müssen wir unseren Verband als die
 Organisation anbieten, bei der man aktiv werden sollte, wenn man etwas an den
 verhassten herrschenden Verhältnissen ändern möchte.

Jugend, AGH, Sozialismus

„Wir wollen die Bühne des Parlamentarismus für den Kampf um eine gerechtere Welt nutzen, aber uns nicht der Illusion hingeben, dass dort der zentrale Raum für reale Veränderungen sei. Gesellschaftliche Veränderungen finden schwerpunktmäßig außerhalb der Parlamente statt.“
— Programm der Linksjugend [’solid]

Fast 50 % der 16- bis 34-Jährigen wollen in Berlin DIE LINKE wählen. In diesem Zuspruch sehen wir unseren Auftrag als Jugendverband, tatsächlich auf die Partei einzuwirken und für die Jugend laut zu sein!
Die Linksjugend [’solid] Berlin erhebt den Anspruch, eine Jugendkandidatur aufzustellen und unterstützt weitere junge, kämpferische Kandidierende für die Wahl zum Abgeordnetenhaus und die Bezirksverordnetenversammlungen im Herbst 2026.
Wir beteiligen uns an den vom Landesverband geplanten Strategie-Veranstaltungen sowie am Wahlprogrammprozess und bringen dort unsere Beschlusslagen und Perspektiven ein – insbesondere die klare Ablehnung einer Regierungsbeteiligung, die die kapitalistische Verwaltungspraxis (Haushaltsdisziplin, Repressions- und Polizeipolitik, Standortlogik, Aufrüstung) mitträgt. Unsere Teilnahme dient der politischen Auseinandersetzung, nicht der Vorbereitung auf Regierungsämter.
Wir nutzen das Parlament und den Wahlkampf als Bühne der Agitation, Aufklärung und Ressourcenbeschaffung, um außerparlamentarische Kämpfe zu stärken und den Aufbau von Verbandsstrukturen zu fördern – nicht als eigenständigen Ort der Interessenverwirklichung.
Damit die Jugendkandidatur eine tatsächliche und kontinuierliche Interessensvertretung des Jugendverbandes garantiert, soll sie bis zum Ende der angestrebten Legislaturperiode Teil des Jugendverbandes sein können.

Erwartungen an Kandidierende
Wir unterstützen Kandidierende, insofern sie sich folgender Wahlplattform verschreiben:
Kandidierende bringen sich aktiv in den Jugendverband ein und setzen sich im Wahlkampf und danach für die Beschlüsse und Positionen des Jugendverbandes ein.
Kandidierende nehmen regelmäßig an Bildungsveranstaltungen und Workshops teil.
Als Sprachrohre des Jugendverbandes verpflichten sie sich, an Rhetorik- und Verhandlungsseminaren teilzunehmen, welche unter anderem vom BSpR oder LSpR ausgeschrieben werden.
Falls ein Mandat errungen wird, bleiben unsere Mandatsträger:innen standhaft gegenüber dem reformistischen Parteiapparat der Linkspartei.
Bei der Frage der Regierungsbeteiligung halten sie sich an unsere Beschlusslage.
Das schließt die Ablehnung einer Regierungsbeteiligung ein, die Spar-, Polizei- oder Standortpolitik exekutiert. Exekutivposten, die diese Logik mittragen, werden nicht angenommen.
Parlamentarische Arbeit dient der Agitation, der Unterstützung außerparlamentarischer Kämpfe und der Kontrolle der Exekutive.
Das Abgeordnetenhaus ist ein Vollzeitparlament und sollte auch als solches wahrgenommen werden. Grundsätzlich sollen Ämter in Jugendverband und Partei auf viele Schultern verteilt werden.

Vergütung und Transparenz
Mandats- und Amtstragende behalten von ihrem Gehalt einen Betrag, der sich am Tarif von angestellten Lehrkräften (TV-L) als nachvollziehbarer und ähnlich anspruchsvoller Tätigkeit orientiert (E13 Stufe 2).
Die übrigen Einkünfte werden zu mindestens 70 % an den Jugendverband abgeführt, während der restliche Überschuss gemeinnützigen Projekten zugutekommen kann. Eine mögliche Gehaltserhöhung kann somit nur an der Seite von Arbeiterinnen und Gewerkschaftlerinnen erstritten werden.

Personalpolitik und Rechenschaft
Bei der Besetzung von Stellen wird darauf geachtet, dass diese Personen ebenfalls die Beschlüsse der Linksjugend [’solid] mittragen. Auch hier soll die Verbundenheit zum Jugendverband gewährleistet werden, weshalb die Stellen mindestens zu 25 % mit Personen aus dem Jugendverband besetzt werden müssen.
Neben ihren Fähigkeiten werden Personen aus dem Jugendverband, FLINTA* sowie Personen mit Antisemitismus- und/oder Rassismus-Erfahrung bevorzugt. Regelmäßige Praktika sollen ermöglicht werden.
Kandidierende und Mandatstragende sind der Mitgliedschaft quartalsweise rechenschaftspflichtig. Falls die Landesvollversammlung der Linksjugend [’solid] Berlin mit Mehrheit den Rücktritt verlangt, muss dem Folge geleistet werden.
Im Zuge eines Rücktritts verlieren wir höchstwahrscheinlich unser Mandat an einen Listenplatz der Partei – doch sollten wir unseren eigenen Ansprüchen gerecht bleiben.

„Nicht das Lippenbekenntnis, nur das Leben und Handeln adelt und erhebt.“
— Clara Zetkin
Wir stehen Schulter an Schulter mit unseren Kandidierenden!
Wir kämpfen mit ihnen auf der Straße und in der Partei!
Im Parlament nutzen wir die Bühne zur Agitation, zur Skandalisierung von Klassenpolitik und zur Unterstützung der außerparlamentarischen Kämpfe.

Abgeordnetenhauswahl 2026

Die Linke in Berlin ist auf dem Weg, bei der nächsten Abgeordnetenhauswahl 2026 eine entscheidende Rolle zu spielen, die von den anderen Parteien nicht übersehen werden kann. Laut Friedrich Engels ist der Staat im bürgerlichen System der „ideelle Gesamtkapitalist“, der die Reproduktionsvoraussetzungen des Kapitals sichert und damit „Staat der Kapitalisten“ ist (Engels, Friedrich: Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft, MEW 19, S. 222).
Dies umfasst neben den klassischen Aufgaben des Staates – der Bereitstellung von Militär, Polizei und Justiz – auch die Sicherstellung einer der wichtigsten Voraussetzungen des Kapitalverhältnisses: die Reproduktion der Träger der Arbeitskraft, der Lohnabhängigen. Seine Aufgabe ist, sicherzustellen, dass das Kapital auch in mehreren Generationen noch auf Arbeitskräfte zurückgreifen kann, weil nachfolgende Generationen von Arbeitskräften geboren und ausgebildet wurden.
Der Staat ist nicht neutral, sondern agiert als Organisator und Garant kapitalistischer Akkumulationsbedingungen, ohne primär im Interesse einzelner Kapitalfraktionen zu handeln. Seine besondere Aufgabe besteht darin, die allgemeinen Bedingungen der Kapitalverwertung zu sichern – nicht aus einer Position der Neutralität, sondern weil die Reproduktion des Kapitals die materielle Grundlage seiner eigenen Existenz bildet. Sein Einsatz für die Interessen der Lohnabhängigen oder kleinen Selbständigen weist eine immanente Grenze auf: Er kann nur soweit erfolgen, wie dies die kapitalistische Produktionsweise nicht in Frage stellt.
Der Neoliberalismus hat die institutionelle Macht der (reformistischen) Arbeiter*innenbewegung – auch durch gesetzliche Maßnahmen wie in der Bundesrepublik Deutschland die Hartz-Reformen – gebrochen und erfolgreich die Handlungsspielräume des Staates durch die Etablierung von Stakeholdermanagement und Einbindung privater Interessen (von privaten Unternehmen bis hin zum Geschäftsinteresse von „gemeinnützigen“ privatwirtschaftlichen Institutionen und deren Managementinteressen) sowie durch die juristische Absicherung von Kapitalinteressen (von Schuldenbremse über EU-Gesetzgebung bis Freihandelsabkommen mit privaten Schiedsgerichten) jahrzehntelang verkleinert.
Neoliberale Reformen dienten dazu, demokratische Handlungsspielräume zu beschränken und in Länder und Kommunen hineinregieren zu können, die Selbstverwaltung und politische Eigenständigkeit der unterschiedlichen Gliederungen des Gesamtstaates zu unterlaufen und den Staat (oder einzelne Gliederungen) zu Einsparungen zu zwingen. In den 2010er Jahren kam nach diversen Steuersenkungsinitiativen auch die Schuldenbremse hinzu, sodass der Staat selbst durch juristische Selbstbeschränkung nicht mehr über die finanziellen Mittel verfügt, umfassend Politik der Umverteilung vorzunehmen oder Apparate aufzubauen, die Aufgaben der Reproduktion statt marktförmig staatsförmig (und damit nicht primär nach der Logik des Profits) erfüllen.
Auch die relevante Steuergesetzgebung, die mit einfacher Mehrheit (teilweise unter Einbezug des Bundesrates) geändert werden könnte, liegt in der Zuständigkeit des Bundes. Für eine Änderung dieser selbstauferlegten Beschränkungen des kapitalistischen Staates bräuchte es politische Mehrheiten für eine Reform des Grundgesetzes, die derzeit nicht realistisch sind.
Für den Versuch einer Transformation mittels Reformen, die Herrschafts- und Eigentumsverhältnisse in Frage stellen und zu einer Weiterentwicklung der Demokratie und Orientierung an den Bedürfnissen der Bevölkerung statt der Kapitalakkumulation führen, braucht es darüber hinaus stabile linke Mehrheiten, deren Konsens die Zielsetzung des Sozialismus ist – idealerweise in einem Umfang, der mindestens regelmäßig auch verfassungsändernde Mehrheiten ermöglicht.
Dazu kommt die föderale Struktur Deutschlands, die historisch die Wirkung hatte, Veränderung zu bremsen und Vetopositionen zu verankern, die Wandel behindern. Um über Reformen auf der Bundesebene etwas zu verändern, reicht es nicht aus, in einem Bundesland zu regieren, weil die wesentlichen Ansatzpunkte in der Zuständigkeit des Bundes liegen. Auch für eine linke Reformregierung im Bund bräuchte es zusätzlich eine unterstützende Mehrheit im Bundesrat. Es bräuchte also mehr als einen isolierten Wahlerfolg, sondern eine gesamtgesellschaftliche Wechselstimmung und Unterstützung transitorischer Reformpolitik, die sich nicht durch Kompromisse im parlamentarischen Raum herstellen lässt, sondern breite Bewegungen in einem großen Vorfeld voraussetzt.
Die Steuerpolitik der aktuellen Bundesregierung sorgt zudem dafür, dass die Spielräume von Ländern und Kommunen auch künftig klein bleiben werden. Sie verschärft die Unterfinanzierung der Kommunen und Länder und reiht sich dabei in eine Reihe vergangener Steuersenkungen ein, die dazu geführt haben, dass sich staatliche Dienstleistungen verschlechterten oder ganz gestrichen wurden.
Auch die Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes sowie Mitarbeiter bei freien Trägern, an die der Kostendruck weitergereicht wird, bezahlen mit sinkenden Löhnen, niedrigeren Eingruppierungen und schlechteren Arbeitsbedingungen. Die Demokratie und die kommunale Selbstverwaltung – auch in Berliner Bezirken – wird ausgehöhlt, weil es real kaum noch Spielräume für politische Entscheidungen gibt. Selbst bisher im Sinne der Kosten-Leistungs-Rechnung „erfolgreich“ wirtschaftende Berliner Bezirke rutschen ins strukturelle Defizit ab.
Nicht viel besser sieht es derzeit im Berliner Landeshaushalt aus, der ebenfalls ein strukturelles Defizit von 5,347 Mrd. € in 2026 und 4,984 Mrd. € in 2027 aufweist, sodass auch die derzeitigen Versprechen der Landesspitze der Linken am Finanzierungsvorbehalt scheitern müssen.
Diese Erfahrung musste das Land Berlin bereits unter den Augen und unter Duldung der PDS während der rot-roten Landesregierung machen. Sie hat an der Umsetzung eines umfangreichen Konsolidierungsprogramms mitgewirkt und war als Regierungspartei damit zufrieden, „das Schlimmste zu verhindern“. Damit hat sie den neoliberalen Umbau des Landes, die Ausgründung von Unternehmen aus der Verwaltung und die Verankerung betriebswirtschaftlicher Mechanismen im Öffentlichen Dienst (also Profitdenken), Personalabbau, Fraktionierung der Belegschaften im Öffentlichen Dienst – die die Macht der Gewerkschaften faktisch beschnitten haben – sowie den Ausverkauf öffentlichen Eigentums faktisch ermöglicht.
Zwar gibt es dafür aus dem politischen Zentrum bis heute Respektsbekundungen für diesen „Pragmatismus“, doch hat die Partei ihr damaliges Wahlergebnis von 22,6 Prozent der Stimmen im Jahr 2001 in Berlin nie wieder erreicht. Die Mitarbeit am neoliberalen Ausverkauf hat der Linken massiv geschadet.
Der Landeshaushalt weist ein strukturelles Defizit von vier bis fünf Milliarden Euro auf. Selbst mit Ausschöpfung aller „Spielräume“ – von Rücklagen, Schulden im Rahmen der Schuldenbremse, Verschuldung landeseigener Betriebe, Steuererhöhungen der wenigen Landessteuern oder der Erhöhung von Parkgebühren, die das Land selbst gestalten kann – bleiben nur kosmetische Maßnahmen umsetzbar. Linke Reformen mit spürbarer Wirkung für die Mehrheit der Bevölkerung lassen sich unter diesen Bedingungen nicht umsetzen.
Weder das Aufbrauchen der (endlichen) Rücklagen, noch die Umwandlung von Investitionsgesellschaften in Schattenhaushalte, noch die theoretisch mögliche Aufnahme zusätzlicher Schulden in Form von Notlagen-Krediten (die auch die Koalition aus CDU und SPD bereits nutzt), wie sie beispielsweise die Linksfraktion im Abgeordnetenhaus vorschlägt, noch der Verkauf landeseigener Grundstücke oder Unternehmen können dieses strukturelle Defizit ausgleichen. So könnte niemals die notwendige gesamtgesellschaftliche Wechselstimmung aufgebaut werden, die für eine sozialistische Transformationspolitik notwendig ist.
Zusammengefasst würde unter den aktuellen finanziellen, rechtlichen und politischen Bedingungen eine Regierungsbeteiligung der Linken zwangsläufig auf die Verwaltung und Durchsetzung bestehender Sparzwänge reduziert. Schuldenbremse, Steuerbasis, die aktuelle Rezession, EU-Vorgaben und internationale Abkommen bis hin zu einem strukturellen Haushaltsdefizit und der neoliberalen Ausrichtung von Verwaltung und Daseinsvorsorge sowie der Notwendigkeit einer Koalition mit neoliberalen Parteien wie Grünen oder SPD stehen Alternativen im Weg.
Eine transformatorische Reformpolitik, die über punktuelle Verbesserungen im Kapitalismus hinausgeht und Eigentums- sowie Herrschaftsverhältnisse grundlegend infrage stellt, wäre nur möglich, wenn diese Bedingungen sich verbessern – also die Schuldenbremse fällt und eine gesellschaftlich breite Mobilisierung entsteht, die politischen Druck erzeugt und Reformprojekte klar auf Vergesellschaftung, Demokratisierung und den Aufbau öffentlicher Kapazitäten ausgerichtet sind.
Ohne diese Voraussetzungen führt Regierungsbeteiligung nahezu zwangsläufig zu einer Anpassung an neoliberale Logiken, zur Fortsetzung von Kürzungs- und Privatisierungspolitiken und langfristig zum Verlust politischer Glaubwürdigkeit und damit von Stimmanteilen einer Partei, die den Anspruch einer sozialistischen Transformation der Gesellschaft an sich stellt.
Eine Politik, die „das Schlimmste verhindert“, würde die Menschen in dieser Stadt in eine Lage bringen, in der es ihnen gerade so gut geht, dass sie nicht entschieden genug rebellieren und sich zu wenig organisieren. Damit schaden wir unserem eigenen politischen Ziel, dem Erreichen des Sozialismus, und arbeiten dem entgegen.
Die Aufgabe der Linken im Abgeordnetenhaus besteht darin, die Widersprüche des Systems offenzulegen und offen für den Klassenkampf und Systemwandel zu agitieren. Weiterhin müssen wir gemeinsam so viel gesellschaftlichen und politischen Druck erzeugen, dass die Regierenden die Politik umsetzen, die wir wollen und vorschlagen, um damit Verbesserungen in der Gegenwart herbeizuführen.
Wir erwarten von der Partei Die Linke, dass sie sich mit Kritik am System der Polizei und Kritik an allen Abschiebungen entschieden von SPD und Grünen abgrenzt.

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Ein Jahr Rot-Rot-Grün: Eine Zwischenbilanz

* Bein diesem Beschluss gab es erhebliche Änderungen, die in den vorliegenden Dokumenten nicht konkretisiert werden konnten.

Seit fast einem Jahr ist die Berliner Regierung im Amt. Diese erneute Regierungsbeteiligung der Partei DIE LINKE stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Dies zeigt vor allem die Affäre um Staatssekretär Andrej Holm, welchen SPD und Grüne aus Angst vor jemanden, der „den Hausbesetzern näher [steht] als vielen privaten Investoren“ (Czaja über Holm) aus der Regierung verbannt haben. Beinahe widerstandslos ließ man sich das gefallen und begrub somit den Willen vieler Wähler*innen.

Wir wollen ohne Anspruch auf Vollständigkeit eine erste Zwischenbilanz ziehen:

Was hat die Senatspolitik positives gebracht:

Was ist fraglich:

Was ist aus unserer Sicht abzulehnen:

Das ist bloß ein Teil von dem was in der Berliner Regierung nicht so läuft, wie es laufen sollte. Schon mit Unterzeichnung der Koalitionsvereinbarung setzte sich DIE LINKE über rote Haltelinien hinweg und änderte bis heute nichts daran. Die aufgezählten Punkte zeigen auf, dass eine Politik mit pro-kapitalistischen Parteien nicht unseren Interessen dienen kann. Wir brauchen dringend Verbesserungen im sozialen Bereich. Diese Forderungen lassen sich aber scheinbar nicht mit SPD und Grünen umsetzen. Wir haben noch keine Zustände wie in Brandenburg und Thüringen, wo DIE LINKE durch Stellenabbau im Rahmen von Gebietsreformen (die jetzt Stück für Stück wohl zurückgezogen werden) und andere Maßnahmen massiven Unmut auf sich zieht. Doch wenn sie in Berlin ihren Kurs nicht korrigiert, drohen ihr die gleichen Entwicklungen.

Darum sollte DIE LINKE zum nächstmöglichen für die Bevölkerung nachvollziehbaren Zeitpunkt die Koalition beenden und zu einer starken Oppositionsarbeit zurückkehren. DIE LINKE darf nicht zu einer Partei des Kapitals verkommen und muss sich gegen Unterdrückung der Arbeiter*innen einsetzen, um ihre Glaubwürdigkeit zu bewahren.

[1] https://volksentscheid-fahrrad.de/de/2017/10/13/senat-schiebt-mobilitaetsgesetz-erneutauf-radentscheid-fordert-klares-bekenntnis-von-allen-regierungsparteien-zuverabschiedung-und-umsetzung-des-radgesetzes-3991/

[2] https://www.gemeingut.org/berliner-schulprivatisierung-brief-an-die-abgeordneten-vonrot-rot-g

[3] http://www.tagesspiegel.de/berlin/volksbuehne-am-tag-der-raeumung-ende-einer-dauerperformance/20394474.html

[4] https://www.berliner-mieterverein.de/magazin/online/mm1016/101618.htm

https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2017/04/Gewobag-kauft-Neues-Kreuzberger-Zentrum.html

[5] http://www.tagesspiegel.de/berlin/umgang-mit-asylverfahren-berlin-schiebt-kaumab/20407788.html

[6] http://www.tagesspiegel.de/berlin/immobiliengesellschaft-deutsche-wohnen-erstaufwendig-sanieren-dann-die-miete-drastisch-erhoehen/20425802.html

https://www.berliner-zeitung.de/politik/meinung/kommentar-berlin-braucht-mehr-geld-fuerden-sozialen-wohnungsbau-28608958

[7] http://www.die-linkeberlin.de/politik/positionen/politik_fuer_berlin/haushaltsverfassung/bund_laender_finanzen_und_infrastrukturgesellschaft/

[8] https://www.gew-berlin.de/17881_18802.php und https://www.gewberlin.de/17881_19026.php https://www.gew-berlin.de/17881_19386.php

[9] https://www.verdi-cfm.com/app/download/11238051098/171016_Tarifinfo+16+ver.di-CFM+Bewegung+mit+Hindernissen.cleaned.pdf?t=1508169245

[10] http://www.tagesspiegel.de/berlin/nach-volksentscheid-zum-txl-mitgesellschaftergegen-offenhaltung-tegels/20506704.html

DIE LINKE.BERLIN raus aus der Regierung

Beschluss der 31. Landesvollversammlung am 10. April 2022

Die linksjugend solid Berlin tritt dafür ein, dass sich DIE LINKE. Berlin sofort aus der Regierungskoalition mit SPD und Bündnis 90/Die Grünen entzieht, insofern nicht folgende Dinge direkt in ihrer Umsetzung garantiert werden können:

  • sofortige Umsetzung von Deutsche Wohnen und co. enteignen
  • sofortiger Abschiebestopp in der rassistischen Migrationspolitik
  • sofortiger Abbruch des Autobahnausbaus der A100
  • sofortigen Stopp der Ausschreibungen für die Privatisierung der Berliner S-Bahn
  • Einführung des kostenlosen ÖPNVs in Berlin