Demotraining für alle, sonst gibt`s Krawalle

Beschluss der 30. Landesvollversammlung am 23.-24. Oktober 2021

Der Landessprecher*innenrat wird in Zusammenarbeit mit interessierten Basismitgliedern einen Leitfaden für das Verhalten auf Demonstrationen anfertigen und hierbei auch auf Angebote wie z.B. die Rote Hilfe eingehen.

Dieser Leitfaden richtet sich vor allem an Neumitglieder, aber auch an Außenstehende, die neu linken Kreisen unterwegs sind. Er sollte auf der Webseite der Linksjugend [’solid] Berlin sowie in abgewandelter und anschaulicher Weise auf den Social Media Kanälen des Landesverbandes veröffentlicht werden.

Außerdem sollen Workshops angeboten werden, die auf dem Leitfaden beruhen und deren Ergebnisse, im Leitfaden ergänzt werden.

Ein solches Angebot sollte mindestens folgende Themen beinhalten:

Vorbereitung für Demos:

Was nehme ich mit und was nicht

Wie bilde ich Bezugsgruppen

Praxis auf der Demo:

Wie bildet man Ketten

Was ist sicheres Verhalten

Umgang mit Störaktionen/Nazis/Polizei/Presse

Wie schütze ich mich und andere

Was mache ich in Gewahrsam/bei Festnahme anderer

Was mache ich, wenn ich aus der Maßnahme bin (bei Anzeigen etc.)

Was tue ich bei Unwohlsein (eigenes/von Bezugis)

Wie leiste ich erste Hilfe (bei Pfefferspray/anderer Gewalteinwirkung)

Organisatorische Aspekte:

Wie Kundgebung anmelden

Was ist beim Kooperationsgespräch zu beachten

Reden halten bei Kundgebungen

 

Begründung

Die aktive Teilnahme an Demonstrationen zum Zwecke der demokratischen Partizipation im parlamentarischen System sollte Grundrecht sein. Doch vielen Menschen ist es nicht möglich, ungefährdet an einer Versammlung teilzunehmen, vor allem, wenn sie noch nie zuvor auf einer Demonstration waren, die mit größeren Repressionen durch die Polizei zu rechnen hat.

Daher ist es notwendig, einen solchen Leitfaden zu erstellen und Workshops abzuhalten. Mit ihrer Hilfe sollen Menschen besser einschätzen können, in was für eine Situation sie sich begeben, und, ob sie das Risiko eingehen wollen, sowie wie sie dann zu handeln haben.

 

Um eine möglichst hohe Sicherheit für alle Demoteilnehmer:innen zu gewährleisten und ein Grundverständnis für eine widerständige Praxis aufzubauen, sollte die Linksjugend [’solid] Berlin das Wissen um oben genannte Punkte fördern und sich auch aktiv dafür einsetzen, linke Ideen und Kämpfe auf der Straße mit Wissen um Organisierung zu stützen.

 

Ein Beispiel für schlechte Vorbereitung ist, wenn Menschen ohne Demoerfahrung auf Demos ohne Bezugsgruppe umherlaufen, weil sie diese verloren haben, und sie beispielsweise verletzt werden. Es fühlt sich keiner direkt für sie verantwortlich. Bezugsgruppen hingegen kennen die Namen und Geburtsdaten ihrer Mitglieder, um im Falle einer Verhaftung den Ermittlungsausschuss informieren zu können, der dann wichtige Hilfe leisten kann. Trennen sich Bezugis auf einer Demo voneinander, kann dies nicht geschehen. Um zu wissen, wie man sich in solchen Fällen verhält, wäre ein Input vor der Demo sinnvoll. Auch können erfahrenere Menschen zwar in Bezugsgruppen ihr wissen vor der Demo weitergeben, doch nicht jede*r hat die Chance, eine Bezugsgruppe mit erfahreneren Menschen zu bilden, daher sollte die Linksjugend [’solid] Berlin eine Plattform bieten, um solche Menschen mitzunehmen.